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Auf diesen Seiten wird eine Auswahl von Gotthelfs Werken in einer Neubearbeitung vorgestellt. Wahrhaftig eine Notwendigkeit, wenn man bedenkt, dass Gotthelfs Texte immer noch im gleichen, unveränderten Wortlaut vorliegen.





Die Werke Gotthelfs mögen schon über eineinhalb Jahrhundert alt sein - aktuell sind sie aber auch heute noch.

Jeremias Gotthelf, mit tatsächlichem Namen Albert Bitzius (oder auch Albrecht Bitzius), wie er tatsächlich hiess, war von Beruf zwar reformierter Pfarrer, seine Werke sind deswegen jedoch nicht etwa Missionsschriften geworden. Wenn er stellenweise die Schöpfung lobt oder Demut preist, sollte dies in Anbetracht der damaligen, wirkungsarmen Medizin sowie der noch in den Kinderschuhen steckenden Rechtsstaatlichkeit betrachtet werden, als Methode zur Selbsthilfe gewissermassen. Sein zeitloser Stil zeichnet sich durch grosse Humanität und Beobachtungsgabe aus, die ihn seine Mitmenschen in ihren Höhen und Tiefen, in Leidenschaft oder in Hass, in Grossherzigkeit oder in Niederträchtigkeit fesselnd und lebendig beschreiben lassen. Seine Literatur enthält für alle etwas: Von der bewegenden Liebesgeschichte, auf die er übrigens in „historischen Aufführungen“ heute noch reduziert wird (...) über gesellschaftlich-politische Blickwinkel bis hin zu grossen philosophischen Fragen bietet er ein regelrechtes Paket von ineinander geschichtetem Anschauungsmaterial und Denkfutter, das es wahrhaftig wert ist, wieder an die Oberfläche der Gegenwart gehoben zu werden.

Gotthelfs Werke sind damals durch Deutsche teilweise auch vom Berndeutschen ins Deutsche übersetzt worden, woraus dann zum Beispiel ein „ich darf nicht“ anstatt ein „ich getraue mich nicht“ geworden ist.. Dann ist auch stellenweise wieder durch Deutsche vom Deutschen aus zurück „verberndeutscht“ worden, woraus dann solche Scheusslichkeiten wie „Bub“, „b'hütis“, „Leut“, „freilich“ usw. entstanden sind. Später herausgekommene Auflagen haben standhaft den mehr oder weniger gleichen Wortlaut übernommen. Dies hat nun einfach nicht mehr länger so bleiben dürfen.

Die hier angebotenen Editionen sollen das Werk Gotthelfs dem Menschen von heute wieder zugänglich machen. Das Urtümliche in Gotthelfs „Annebäbi“ ist nach Vorlage der Ausgabe von Jent und Gassmann, Solothurn, aus dem Jahr 1848, so weit wie immer möglich beibehalten worden. Heute nicht mehr bekannte Begriffe oder Redewendungen sind jedoch durch aktuelle ersetzt worden. Auch ist oft der Satzbau modernisiert worden (zum Beispiel Subjekt nach vorne gerückt oder mehrere Genitive hintereinander beseitigt), ohne jedoch auch nur ein „u“ („und“) oder ein „he“ (Ausruf) des überlieferten Textes zu unterschlagen. Dabei sind auch die nicht immer korrekt eingesetzten Vergangenheits- und Konjunktivformen, alle grammatikalischen und orthografischen Unzulänglichkeiten sowie andere „Holprigkeiten“ möglichst übernommen worden, denn ein geschliffenes, vollkommenes Deutsch würde Gotthelf auch wieder nicht gerecht. Dieses Buch ist deshalb nichts für „Deutschperfektionisten“... In zahlreichen Fussnoten werden zudem viele aufschlussreiche Erklärungen und Hinweise zu unverändert übernommenen Begriffen oder Textstellen geliefert.

Wie eine musikalische Komposition bei jeder Aufführung neu interpretiert wird, so wird auch hier ein künstlerisches, literarisches Werk nach der persönlichen Auffassung des Bearbeiters wiedergegeben, ausgelegt - interpretiert eben. Der Bearbeiter sieht sich deshalb auch eher in der Rolle des Übersetzers (franz. interprète = Dolmetscher, Sprachmittler), also eines Interpreten Gotthelfs.

Dieser Interpret wünscht der Leserschaft viel Freude bei der Lektüre.





Gotthelfs Wohnhaus in Lützelflüh

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